eMails

Also die eMail-Flut und die Manie, per Outlook-Abfrage Termine zu vereinbaren, sind mir in den letzten Jahren gewaltig auf die Nerven gegangen. Das ging so weit, dass manche Kollegen und Kolleginnen sich fiktive Termine in ihren Terminkalender eingetragen hatten, um sich Freiräume zum arbeiten zu schaffen, in denen ihnen nicht so einfach weitere Termine aufgedrückt werden könnten. Andere haben selbst bei Verabredungen zum Mittagessen in der Kantine eine Terminanfrage per Outlook geschickt. Hier in Asunción an meinem neuen Arbeitsplatz wäre das gar nicht möglich. Die Kollegen und Kolleginnen nutzen zwar Outlook, haben aber keine persönlichen eMail-Adressen. Nun, so scheint es zumindest auf den ersten Blick. Da gibt es die >geschaeftsfuehrung@firma.com.py< oder >training@firma.com.py< oder auch >buchhalterin1@firma.com.py<. Das ist für mich schwer gewöhnungsbedürftig, zumal einige Adressen von mehreren Personen genutzt werden und ich nicht genau weiß, wer das denn nun tatsächlich liest oder prinzipiell die falsche Person oder genau diejenige, die das nicht lesen sollte. Erst mit der Zeit ergibt sich ein Muster nach dem manche Adressen überwiegend von einer Person genutzt werden. So betrachtet führt die Anonymisierung nicht unbedingt zu mehr Transparenz. Termine mit den wichtigsten Gesprächspartnern, die ich schon Wochen vor meiner Anreise mühsam mein bestes Spanisch zusammenkratzend vereinbart hatte, wurde am Abend vorher kurzfristig abgesagt. Ohne Handynummer und What´sAp läuft hingegen wirklich gar nix. eMail wird wohl überschätzt.

Ojeh Brasilien

In Ciudad del Este gab es heute einen Raubüberfall, der ein Ausmaß an Skrupellosigkeit, Planung, Logistik und Gewaltbereitschaft zeigt, wie es paraguayischen Kriminellen in den sozialen Medien in Asunción einfach nicht zugetraut wird.  Dass die meisten Tatfahrzeuge aus Brasilien kamen und die Täter Portugiesisch gesprochen haben, legt den Verdacht nahe, dass die Bande aus Brasilien heraus operierte: http://orf.at/stories/2388690/

 

Uniformen

Beim Abschluss eines Handyvertrags hatten uns zwei junge Frauen mit roten Hemden mit Firmenlogo bedient. Das kommt mir aus Deutschland vertraut vor und findet man bei der Telekom oder bei Saturn etc. Erst nach ein paar Tagen hatte ich allerdings bemerkt, dass die Kolleginnen im Büro identische Kostüme und Jacketts trugen. Weiße Hemden, dunkle Krawatten und schwarze Hosen bei den männlichen Kollegen waren mir nicht weiter aufgefallen. Uniformen im Büro? Selbst bei der Geschäftsführerin? Das ist befremdlich. Das wäre so – glaube ich – in Deutschland beispielsweise nicht denkbar. Menschen, die in ihrer Schulzeit bereits Uniformen getragen haben, gehen da aber unbefangen heran. Und wenn man darüber nachdenkt, erspart es einem einen entsprechenden Fundus an Kleidung vorzuhalten und sich den Kopf zu zerbrechen, welchen Rock man denn heute anziehen sollte oder welche Krawatte. Das kommt zudem viel billiger.

Kino

Programmkinos gibt es nicht in Asunción, aber offenbar Filmfans. Bis in die Subkultur sind wir allerdings noch nicht vorgedrungen. Ob es da über Facebook einen Weg gibt, wird sich zeigen. Bislang haben wir zwei Filme gesehen: einen argentinischen Psychothriller und heute einen Hollywood-Schinken, ganz lustig, auf Englisch mit spanischen Untertiteln. Wie in Lateinamerika oder Südeuropa so üblich geworden ist, findet man die Kinos sind in den Shopping-Malls ganz oben, neu und gepflegt. Wir kaufen Popcorn. In Deutschland war das immer ein Problem. Dort wird die Popcornmaschine vor Öffnung des Kinos angeschmissen. Man füllt es dann in Tüten ab, die im Verlauf des Tages und Abends verkauft werden. Zweckmäßigerweise bereitet man auch schon einmal einen Vorrat vor, während die Vorstellung läuft. Die Frage, ob das Popcorn heiß sei, geht normalerweise ins Leere. Hier in Asunción wird das Popcorn ganz selbstverständlich ständig frisch gepoppt und nur warm verkauft – und heisst aus irgend einem Grund „Pororo“. Auf die Frage, ob man es halb-und-halb salzig und süß haben könnte: !Por supuesto! Süß unten? Noch einen Wunsch? Na mit diesem Service geht das Kinoerlebnis doch gleich ganz anders los, nicht?

Büroalltag in Paraguay

„Arbeiten in Paraguay scheint eine leichte Übung: Die Leute sind immer gut drauf dank des tropischen Klimas. Alles ist „easy“ und in der Mittagspause kann man in T-Shirt und kurzer Hose zwischendurch etwas Sonne tanken. Mit dem „Erasmus-Spanisch aus Barcelona sollte das kein Problema sein.“ Nun, dazu kann ich auch nach 1 Woche schon sagen: Vergesst es! Dunkelblaue Anzüge, weiße gebügelte Hemden mit Krawatte sind in sehr vielen Situationen Pflicht. Das schwitzt man unterwegs und friert in den klimatisierten Räumen. Im Arbeitsalltag darf man dann das Jackett schon einmal ausziehen und zum gebügelten Hemd auch schon mal eine gebügelte Jeans tragen. Und bei Frauen? Noch komplizierter! Eine kurze Hose oder Sandalen würden einen jedenfalls im beruflichen Kontext glatt rauskatapultieren. Auch die Sprache ist alles andere als einfach. Man Siezt sich auch nach Jahren noch und spricht alle mit dem Titel an, also z.B. Licenciada Gonzalez. Das bedeutet, dass Frau Gonzalez eine Ausbildung gemacht hat. Ein Doctor hat studiert. Profesores dagegen sind Lehrer. Das Ganze ist schon verdammt umständlich und formell. Im Schriftlichen wird es dann wirklich kompliziert, weil man da in der Grammatik sattelfest sein sollte und möglichst so formulieren, dass der Leser nachdenken muss, was denn nun eigentlich gemeint ist. Idealerweise kommt er gar nicht darauf und ruft an oder meldet sich per What´App, was sowieso der Standard ist. Ein rein per eMail vereinbarter Termin ist nicht verbindlich. In Paraguay gehen die Bürostunden normalerweise von 7.00 Uhr in der Früh bis 16.00 Uhr am Nachmittag. Es ist also kein Land für Morgenmuffel und Spätaufsteher. Aber es ist ja nun nicht so, als ob es Bürokraten, Schlipsträger, Umstandskrämer und Schwafler in Deutschland oder anderswo nicht geben würde. Ich erinnere mich auch an meine Zeit als Lehrling. Da bin ich auch um halb sieben früh zur Arbeit gefahren.

Sommer

also heute war es ein bißchen heiß, aber alles in allem ist das Klima hier zu dieser Jahreszeit wirklich nicht schlecht. Die Temperaturen liegen deutlich über 20 Grad und auch nachts kaum darunter und es ist wirklich grün. Hier ein Foto vom Fenster unserer Unterkunft. Heute früh beim Frühstück habe ich ein Kolibri beobachtet und gegrillt wird sowieso.

Noch ein Kommentar zu Air Europa

.. also wir hatten uns für ein Ticket von Air Europa für die Anreise nach Paraguay entschieden, weil diese Airline erstens die günstigste war und zweitens als einzige eine direkte Verbindung von Europa nach Asunción anbietet – allerdings von Madrid aus. Der Flug von Frankfurt nach Madrid war auch ganz okay. Man bekommt zwar keine Getränke oder Essen umsonst, aber auf Kurzstreckenflügen braucht man das ja auch nicht wirklich. Ganz anders auf dem knapp 12-stündigen Flug von Madrid nach Asunción. Da gab es zum Abendessen einen Becher Wein und einen Becher Wasser und das war’s! Wenn wir nicht in waiser Voraussicht eine Flasche Wasser und Kekse eingepackt hätten, wären wir glatt ausgedünstet bis zum Frühstück kurz vor der Ankunft. Außerdem wird nach lateinamerikanischer Sitte die Klimaanlage voll auf Kühlung aufgedreht und man friert erbärmlich, zumal die Decke, die man bekommt, viel zu klein und dünn ist. Sonst bekommt man übrigens nichts. Kopfhörer für den Film auf zentralen kleinen Bildschirmen hätten wir kaufen können, wenn die Stewardessen nicht mit einem Affenzahl durch das Flugzeug gelaufen wären und hinterher einfach keine mehr beschaffen konnten oder wollten. Entertainment also Fehlanzeige. Das Timing der Stewardessen folgt im Übrigen ihren Bedürfnissen, nicht denen der Fluggäste, so bekommt man beispielsweise beim Essen zwar ein zweites Brötchen, aber erst nachdem man alles andere schon aufgegessen – und ausgetrunken – hat und außerdem ohne ein weiteres Getränk. Da lässt man besser die Finger davon. Also hinsichtlich Service, Freundlichkeit und Komfort gibt es bei diesem Flug noch sehr viel Luft nach oben – und damit ist nicht die Erdatmosphäre gemeint.

Feiertags in Asunción

Heute mussten wir in den Supermarkt, um uns für die nächsten Tage mit Vorräten einzudecken. Naiv wie ich war, hatte ich zwar gelesen, dass Karfreitag in Paraguay ein Feiertag ist, Ostermontag hingegen nicht. Daraus hatte ich aber nicht den Schluss gezogen, dass der Feiertag einfach vorgezogen wird und man dann ja gleich auch den Mittwoch noch dranhängen kann, sodass eigentlich alle Dienstagmittag aus der Stadt abhauen und aufs Land fahren. Taxis wurden bereits ab Dienstag spürbar weniger, der Verkehr hat Stück für Stück nachgelassen. Donnerstag und Freitag ist man komplett abgestellt hier. Da läuft wohl gar nix. Also schnell noch zum Supermarkt Casa Rica, der vollgestopft ist mit deutschen Produkten, u.a. eben auch Keksen von Edeka. Ab morgen sind wir dann einfach weggeparkt, weil uns niemand erzählt hat, dass sich in der Karwoche ab Mittwoch gar nix mehr tut, weil alle, aber wirklich alle auf‘s Land gefahren sind. Versuche, diese Woche selbst noch eine Unterkunft irgendwo in der „Cordillera“ zu finden waren völlig hoffnungslos: Seit Monaten ausgebucht. Also für Weihnachten etc. sind wir jetzt vorgewarnt.